Für eine Gesamtschule neben dem Gymnasium

Theodar-Heuss mit Gesamtschulschild

Theodar-Heuss mit GesamtschulschildOder: Warum diese Variante eine nicht wiederkehrende Chance ist!

Am 24. Feb. 2015 entscheidet der Rat über die Frage wie die weiterführende Schullandschaft in der Zukunft in Radevormwald aussehen soll. Drei Varianten stehen zur Abstimmung. Die UWG schlägt ein eingliedriges System, das nur aus einer Gesamtschule bestehen soll vor. Während CDU und SPD in einem gemeinsamen Antrag den zweiten Versuch der Einführung der Sekundarschule befürworten. Wir glauben, dass ein Nebeneinander von Gesamtschule und Gymnasium jetzt noch möglich und die beste Lösung für Radevormwald ist. Lesen Sie, wie der Fraktionsvorsitzende den Antrag der Alternativen Liste begründet!

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Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Liebe Radevormwalderinnen und Radevormwalder!

Wir stehen heute wohl vor einer der wichtigsten Entscheidungen dieser Sitzungsperiode. Wir entscheiden heute über die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Deshalb bedauern wir, dass wir in der Vorbereitung zu dieser Entscheidung nicht zu einem größeren Konsens gefunden haben. Allerdings ist die Meinungsvielfalt nicht ganz so groß, wie es auf den ersten Blick scheint! Die Fraktion der Alternativen Liste Radevormwald ist dankbar dafür, dass wir uns in der Ablehnung des bildungspolitischen Selbstverstümmelungsvorschlages der Fa. Komplan einig sind!

Die Kollegin Pizzato hat im Schulausschuss ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass wir in Radevormwald gezwungen seien, die Vielfalt der Schulformen einzuschränken. Schaut man nun einmal über den Tellerrand Radevormwalds hinaus, dann wird man feststellen, dass das Land NRW wahrscheinlich Deutscher Meister in der Disziplin Vielfalt der Schulformen in der Sekundarstufe ist. Neben den 3 klassischen Formen Hauptschule, Realschule, Gymnasium gibt es noch die Gesamtschule, die Sekundarschule, ihre Vorgängerin die Gemeinschaftsschule in einigen Städten als weiterlebender Schulversuch und der neue Schulversuch in der Form der Primusschule. Schaut man nun auf das Abschneiden nordrheinwestfälischer Schüler im Leistungsländervergleich der Länder, so finden wir uns dort im unteren Drittel der 16 Bundesländer wieder.

Das Gegenmodell dazu ist das Land Sachsen. Sachsen hat sich nach der Wiedervereinigung gewehrt, das dreigliedrige Schulsystem des Westens zu übernehmen und ist konsequent einen eigenen Weg in ein zweigliedriges System aus Mittelschule und Gymnasium gegangen. Heute, nach 25 Jahren hat Sachsen Bayern und Baden Württemberg vom Platz eins im Leistungsvergleich verdrängt! Und was noch erstaunlicher ist: In Sachsen gibt es die niedrigste Wiederholerquote aller Bundesländer! Was ich Ihnen damit sagen möchte: Die Vielfalt der Schulformen garantiert nicht, das dort besonders auf die individuellen Lernbedürfnisse der SchülerInnen eingegangen wird. Empirisch lässt sich dieser von ihnen vermutete Zusammenhang nicht belegen. Eher das Gegenteil ist der Fall!

Aber das sind die Diskussionen aus dem vergangenen Jahrhundert. Wir stehen nicht vor der Frage, wie wir unseren SchülerInnen das beste Schulsystem bieten können, sondern wir stehen vor der Frage, wie wir angesichts des Kindermangels überhaupt noch ein vollwertiges Angebot organisieren können! Leider gibt es Kolleginnen und Kollegen hier im Rat aber auch Bürger, denen diese Notwendigkeit noch nicht hinreichend bewusst geworden ist.

Damit sind wir bei den Mengenbetrachtungen. Und natürlich lieber Kollege Hoffmann haben sie recht, wenn Sie sagen, dass unter Beachtung der Zahlen wir zu einem eingliedrigen Schulsystem kommen müssten. Diese Erkenntnis hatten wir vor ihrer Entscheidung in unseren Youtube-Vorträgen schon dargelegt. Aber wir hatten auch ausgeführt, dass die Zahlenbetrachtung – wir haben es den Aspekt der Nachhaltigkeit genannt – nur ein Kriterium ist. Ein anderes ist die politische und gesellschaftliche Akzeptanz. Wir fürchten, sofern Ihr Vorschlag eine Mehrheit im Rat finden würde, dass wir es in der Öffentlichkeit nicht nur mit einer Ablehnungsfront, sondern mit zwei Ablehnungsfronten zu tun hätten. Das mag man bedauern. Es gibt Kleinstädte in unserer Nachbarschaft, wie Kierspe, die das organisiert bekommen. In Radevormwald wird die Diskussion leider noch viel zu emotional geführt, um zu solchen Beschlüssen kommen zu können.

Realschule heute
Heute Realschule – nach dem Willen von CDU und SPD ab 2016 eine Sekundarschule

Wir bedauern, dass CDU und SPD der Mut fehlt! Mut, die Weichen nicht nur halbherzig in die richtige Richtung zu stellen. Leider erkennen diese Fraktionen nicht, welche einmalige Chance wir im Schuljahr 2016/17 vergeben. Es wird wohl das letzte Schuljahr sein, in dem 186 oder 185 Kinder von den Grundschulen in die weiterführenden Schulen wechseln. Eine solch große Zahl werden wir danach wahrscheinlich nie mehr haben. Mit 185 Kindern lässt sich das Zweiformen-Modell aus Gymnasium und Gesamtschule durchaus aufbauen. Für die Gesamtschule werden mindestens 100 Kinder benötigt, sodass für das Gymnasium maximal 85 Kinder übrig blieben. Das sind 8 Kinder mehr als das Gymnasium im Schuljahr 2014/15 aufgenommen hat. Das funktioniert natürlich nur, wenn die relativ hohe Zahl der Auspendler, die es in 2014/15 gegeben hat, nicht zustande kommt. Da sind wir jedoch recht optimistisch, weil nach allem was wir wissen und im Laufe der Diskussion mit Eltern beobachten konnten, der Wunsch nach einer Gesamtschule sehr groß ist. Wir haben es deshalb im nächsten Jahr mit einem weiteren Glücksfall zu tun, der von CDU und SPD nicht gesehen wird. In diesem Jahr würden wir mit der Errichtung einer Gesamtschule noch in eine Marktlücke innerhalb der Region stoßen. Wird diese Lücke durch den Aufbau einer Gesamtschule in der Nachbarschaft geschlossen werden, wird es für beide Schulformen sowohl für das Gymnasium als auch einer möglichen Sekundarschule in Radevormwald eng! Deshalb gilt: Zwei gymnasiale Oberstufen in einer Stadt gefährden nicht das Gymnasium, sondern sichern es! Wir werden in Radevormwald mit einer Gesamtschule mehr Kinder beschulen können als in Radevormwald wohnen, sodass im Rahmen einer Oberstufenkooperation ein attraktives Kursangebot gebildet werden kann!

Natürlich ist dieser von uns vorgeschlagene Weg nicht völlig ohne Risiko. Im darauffolgenden Jahr sinkt die Schülerzahl um mehr als 20 Kinder. Dieses Modell ist dann auf den Zustrom einpendelnder SchülerInnen angewiesen. Nur in der gegebenen Situation ist es realistisch, dass diese Hoffnung auch trägt. Eine Sekundarschule in Radevormwald besitzt weder die breite Akzeptanz noch die Anziehungskraft gegenüber Eltern aus der Nachbarschaft. Ja sie füllt auch keine Marktlücke!

Deshalb muss noch einmal betont werden, auch der Vorschlag von CDU und SPD auf Errichtung einer Sekundarschule ist nicht ohne Risiko! Wir glauben sogar, dass das Risiko größer ist als bei unserem Vorschlag! Denn – anders als der Kollege Viebach bei der Vorstellung dieses Vorschlages gegenüber der Presse betont hatte, wird es auch diesmal wiederum Widerstand gegen diese Schulform geben!

Auch wenn wir den Vorschlag von CDU und SPD ablehnen, weil die großen Parteien eine große Chance für Radevormwald vergeben, so hoffen wir dennoch, dass sofern dieser Vorschlag hier die Mehrheit findet, er diesmal auch realisiert wird. Das sind wir den Eltern und Kindern schuldig, die sich eine Radevormwalder Schule wünschen!

Aber wie gesagt, der Widerstand beginnt sich in den sozialen Medien schon wieder zu formieren. Deshalb kann es nicht mit der Abarbeitung der Errichtungsagenda, die von der Bezirksregierung vorgegeben wird, getan sein!! Ein verändertes Raumkonzept wird auch nicht ausreichen. Notwendig ist, dass das Thema Sekundarschule bei Lehrern und Eltern positiv besetzt wird. Das können sie erreichen, wenn an der Schulform interessierte Lehrerinnen und Lehrer und die Eltern gemeinsam in einen pädagogischen Coachingprozess eintreten. Der darf auch nicht mit der Gründung also 2016/17 enden, sondern sollte mindestens in den ersten zwei Jahren der Existenz der neuen Schule fortgeführt werden. Dieses Choaching wird häufig von Lehrstühlen der Universität Duisburg/Essen oder auch Dortmund angeboten. Das ist im übrigen ein Verfahren, dass im Regierungsbezirk Düsseldorf schon fast zum Standard gehört. Erkundigen Sie sich z. B. bei der Stadt Solingen, die derzeit in einen solchen Prozess eingetreten ist.

Es wird also notwendig sein, ganz schnell Geld im Haushalt vorzusehen, damit eine solche Betreuung von Eltern und Lehrern verwirklicht werden kann. Über die Folgen der Alternative, nämlich des Scheiterns eines zweiten Versuches möchte ich hier nicht weiter nachdenken!

Aber vielleicht liebe Kolleginnen und Kollegen konnte ich sie ja doch für die Alternative einer Gesamtschule neben dem Gymnasium gewinnen! Wir hoffen auf ihre Zustimmung!

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